„Die Zeiten der fehlenden Schraube sind vorbei“

Seit 75 Jahren exportiert Ikea schwedisches Design in die ganze Welt und Ikea Braunschweig feiert sein 25-Jahrs-Jubiläum. Wir haben mit Store Managerin Tanja Fröhlich gesprochen.

Store Managerin Tanja Fröhlich im winterlich dekorierten Ikea Braunschweig. Foto: Holger Isermann

Store Managerin Tanja Fröhlich im winterlich dekorierten Ikea Braunschweig. Foto: Holger Isermann

Der Name ist Programm, schießt uns durch den Kopf, als wir donnerstagmorgens um 7.50 Uhr beim freundlichen Ikea-Pförtner auf die gut gelaunte Store Managerin Tanja Fröhlich treffen. Die beiden duzen sich – das gehört zur Unternehmenskultur. Eine Kaffeeeinladung nehmen wir mit Blick auf die Uhr gerne an. Frau Fröhlich trinkt keinen Kaffee. Arbeitszeiten, die die 40 Stunden gerne mal übersteigen und dennoch kein Kaffee. Respekt. Auf dem Weg ins schlichte Besprechungszimmer mit einem großen Fotodruck des Braunschweiger Burgplatzes laufen wir weiteren Mitarbeitern über den Weg; der Umgang ist stets herzlich. Das Ideal der flachen Hierarchie, hier könnte es mehr als nur eine Worthülse sein.

Klein Amsterdam!?

„Braunschweig ist karrieretechnisch reizvoll für mich: das erste Mal ein Haus leiten. Durch das neue Einrichtungshaus IKEA Magdeburg hat der Standort Braunschweig noch etwas aufzuarbeiten. Den Spirit zurückzuholen und den Umsatz zu steigern, das sind meine Ziele“, erzählt die gebürtige Südhessin aus Groß-Gerau. Neben dem beruflichen Ambiente schätzt sie die Braunschweiger Kleinkunstszene und die Museumswelt der Region. „Es ist mir wichtig, dass ich mich kulturell bewegen kann. Und ich finde es toll, alles mit dem Fahrrad erreichen zu können – das erinnert mich an Amsterdam.“

Diagnal nach oben

„Die großen Namen der Region machen es dem Einzelhändler nicht immer leicht, gute Mitarbeiter zu finden – gerade im Logistikbereich. In der Braunschweiger Innenstadt entdeckt man viele Gesuche nach Mitarbeitern im Einzelhandel. Die Marke Ikea hilft uns da schon, da unser Unternehmen die Chance bietet, sich zu entwickelt, auch quer.“ Sie selbst ist ein gutes Beispiel: Nach der Bankkauffraulehre ging es für das Psychologiestudium nach Berlin und Amsterdam. „Danach stellte sich mir die große Frage: Was mache ich denn jetzt? Und da gab es zwei für mich interessante Unternehmen: die Deutsche Bahn und Ikea. Erstere, weil ich so oft damit unterwegs war und Ikea, weil ich dort meine Möbel gekauft habe“, erinnert sich Fröhlich schmunzelnd. Nach einer Karriere im HR-Bereich ging es für fünf Jahre in das Heimatland Ikeas, nach Schweden. Zurück in Deutschland entwickelte sich Tanja Fröhlich von der HR-Managerin zur Sales Managerin, dann zur stellvertretenden Niederlassungsleiterin und seit dem 1. Juni 2018 zur Filialleiterin von Ikea Braunschweig.

Ikea im Blut

Ihre erste Ikea-Erinnerung? Der Katalog. „Meine Eltern waren nie für Ikea zu begeistern, aber ich habe immer davon geträumt, einen Sessel wie ,Strandmon‘ oder ,Poäng‘ zu besitzen. Meine Studentenwohnung war zu 99 Prozent mit Ikea eingerichtet.“ Doch wie war es eigentlich, in der IkeaWiege Schweden zu arbeiten, in der auch die gesamte Wertschöpfungskette zu finden ist; also nebst Verkaufsstandorten und Lägern auch der Designstandort „Ikea of Sweden“, das Testcenter und die IT? „Der Lebensstil der Schweden spiegelt ihre sozialdemokratische Prägung wider. Man spürt eine große Zuversicht à la: Morgen ist auch noch ein Tag und man wird sich um mich kümmern. Eine sehr positive Arbeitsumgebung.“

75 Jahre gereift

Ein Ikea-Paket mit zu wenigen Schrauben – früher ein Running Gag und für manch einen Kunden Grund genug, sich abzuwenden. „Daraus haben wir gelernt und heute eher mal eine Schraube zu viel drin“, sagt Fröhlich mit einem Augenzwinkern. Mittlerweile, erzählt man uns, bereiten 8o Prozent der Ikea-Kunden ihren Einkauf online vor. Dieser Entwicklung, wie auch aktuellen Themen wie Smart Home und Individualisierung begegnet man. „Gerade im Bereich Aufbewahrungslösungen bieten wir mehr flexible Aufbaumöglichkeiten an; zum Beispiel mit der Serie ,Platsa‘. Damit gehen wir auf die Bedürfnisse von Kunden mit Dachschrägen ein – in dieser Region weit verbreitet. Um die regionalen Bedürfnisse zu identifizieren, machen wir regelmäßig Home Visits bei (Nicht-)Kunden in unserem Einzugsgebiet.“ Etwa ein Drittel des Ausstellungsbereichs sei stets an den lokalen Markt angepasst. „Generell ist in Deutschland Mülltrennung ein wichtiges Thema; daher bieten wir hier viele Lösungen an.“ Auch das Einkaufsverhalten ändert sich: „Unsere Kunden haben immer weniger Zeit und nicht jeder hat samstags Lust auf einen Fun day out bei Ikea (lacht). Viele bestellen lieber online oder via Click-and-Collect; diesen Service bauen wir aus. Es gibt auch Überlegungen, näher an die Kunden zu rücken und kleine Präsenz in den Innenstädten zu zeigen.“

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