Feuerfester Weltmarktführer

Stöbich aus Goslar plant und baut Brandschutz- Lösungen – Rauchschutz-Vorhänge hängen im Opernhaus in Sydney und bei Apple

Jochen Stöbich, Firmenpatriarch und innovativer Brandschützer. Foto: Magnus Kleine-Tebbe

Jochen Stöbich, Firmenpatriarch und innovativer Brandschützer. Foto: Magnus Kleine-Tebbe

An namhaften Referenzen hat Jochen Stöbich keinen Mangel. Im Opernhaus von Sydney, im Hauptbahnhof Berlin und im Hauptquartier von Apple stecken die Brandschutz-Produkte des Goslarer Unternehmers. „Wenn wir 1980, als wir gerade anfingen, auf Messen nach Referenzen gefragt wurden, kamen wir noch ins Stottern“, erzählt der 75-jährige Firmengründer und Geschäftsführer, einer der vier Finalisten des „Unternehmerpreises der Region 38“. Nach vorne brachte das Unternehmen die Entwicklung einer Weltneuheit: 1978 hatte ein Brand in einem Berliner Werk des Keksherstellers Bahlsen einen Millionenschaden angerichtet, weil die Förderanlage das Feuer in mehrere Fabrikteile übertrug.

Den Maschinenbau-Ingenieur Stöbich, damals bei einem Metallbaubetrieb tätig, brachte dies auf eine Geschäftsidee. Um solche Katastrophen künftig zu verhindern, entwickelte er die ersten Brandschutzabschlüsse für durchlaufende Fördertechnik – spezielle Abschottungen, die ein Übergreifen des Feuers verhindern sollen. Damit schuf er das erste Standbein seines Unternehmens. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs stetig. Musste anfangs noch die Sekretärin mit anpacken, wenn Waren angeliefert wurden, hat das Unternehmen heute allein am Hauptstandort Goslar mehr als 300 Mitarbeiter. Weltweit beschäftigt die Unternehmensgruppe 945 Menschen. Im Jahr 2017 wurden laut Stöbich 83 Millionen Euro umgesetzt und 8 Millionen Euro Gewinn erzielt. Zum Erfolg beigetragen hat, dass sich das Unternehmen immer breiter aufgestellt hat. Viele neue Geschäftsideen sind im Laufe der Jahre hinzugekommen. Die vielleicht wichtigste: der textile Brandschutz – Rauch- und Feuerschutzvorhänge, die automatisch herabgesenkt werden und verhindern, dass sich die Flammen ausbreiten. Um neue Geschäftsideen auszuprobieren, gründete Stöbich Tochterfirmen, heute sind es 13 an der Zahl: Von der Kernmarke Stöbich Brandschutz bis hin zu Beeware, einer Firma für Brandschutz-Software. Eine andere Gesellschaft arbeitet gerade an einer speziellen Tasche mit Reißverschluss – für Akkus, die sich selbst entzündet haben.

Sollte in Zukunft also auf einem Flug einmal ein Laptop in Flammen aufgehen, dann könnte ein Beutel aus Goslar dafür sorgen, dass die Emissionen giftiger Gase im für die Passagiere verkraftbaren Rahmen bleiben. Woraus bezieht das Unternehmen seine Innovationskraft? Immerhin kommt die Stöbich-Gruppe jährlich im Schnitt auf rund 150 Anmeldungen von Patenten und Gebrauchsmustern. „Wir haben viele kreative Leute versammelt und arbeiten sehr eng mit Fraunhofer und mit Universitäten, zum Beispiel der TU Clausthal, zusammen“, erklärt Stöbich. Außerdem werde kräftig investiert: „Wir geben allein vier bis fünf Prozent unseres Umsatzes in die Forschung im mechanischen Bereich. Das ist eine ganze Menge.“ Umso zurückhaltender sei das Unternehmen bei der Ausschüttung der Gewinne. „Gerade wenn man, wie wir, in Produkte investiert, die eine längere Vorlaufzeit haben, ist ein finanzielles Polster wichtig“, sagt der 75-Jährige. Trotzdem werden Stöbichs Angaben zufolge fünf bis sieben Prozent des Jahresgewinns an die Mitarbeiter verteilt – anteilig nach Jahresgehältern.„Wir bekennen uns zur Region“, sagt der Unternehmer und verweist auf seine Mitarbeit in der „Initiative Zukunft Harz“, die Wachstum und Beschäftigung stärken will. Außerdem präsentiere sich Stöbich jährlich an Goslarer Schulen. „Viele unserer heutigen Führungskräfte sind dadurch zu uns gekommen. Das strahlt dann natürlich wieder auf die Schüler aus“, so Stöbich. Nachhaltiges Wirtschaften – das bedeutet für ihn vor allem, den eigenen Erfolg langfristig auf feste Füße zu stellen. Das heiße aber keineswegs, dass die Umwelt zu kurz komme. Per „Öko-Audit“ lasse die Stöbich-Gruppe regelmäßig, auch von externen Kontrolleuren, überprüfen, wie man noch umweltfreundlicher arbeiten könne. „Auch bei der Entwicklung unserer Produkte spielt das eine Rolle, etwa wenn wir Material einsparen“, sagt Stöbich.

Einen Betriebsrat gibt es in seiner Firma nicht. „Wir schauen auch so, dass wir die Wünsche unserer Mitarbeiter berücksichtigen“, ist er überzeugt Über sogenannte „Kontinuierliche Verbesserungsprozesse“ hätte die Mitarbeiter die Möglichkeit, eigene Ideen in den Betrieb einzubringen und umzusetzen. Bezahlt werde nach Tarif und höher. Wer Jochen Stöbich lauscht, dem fällt sein südlicher Zungenschlag auf. In Goslar geboren, wuchs er in Österreich auf. Sein Vater stammte von dort. Die Eltern hatten sich während des Krieges kennengelernt, als der Vater im Reichsarbeitsdienst in Goslar stationiert war. Nachdem er die Volksschule beendet hatte, schickten ihn die Eltern nach Goslar zu den Großeltern. Sie hofften, in der Wirtschaftswunder-BRD würde der Sohn bessere Chancen haben. Stöbich machte eine Ausbildung zum KFZ-Mechaniker, auf der Abendschule holte er das Abitur nach. Aus „ärmlichen Verhältnissen“, wie er sagt, hat er sich hoch gearbeitet – und „viel Herzblut“ ins Unternehmen fließen lassen. Deshalb lassen ihn die Kaufangebote, die ihn „alle paar Wochen“ für die Firma erreichten, auch völlig kalt: „Ich will doch nicht nur reich werden. Meine Arbeit macht mir Spaß. Neue Produkte, neue Märkte, neue Wege – das erfüllt mich.“

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