„Das Erlebnis ist der Kern unseres Geschäfts“

Hans Dobke, CEO Outlet Centres International UK Ltd. und Geschäftsführer Designer Outlets Wolfsburg

Hans Dobke, CEO Outlet Centres International UK Ltd. Foto: Holger Isermann

Hans Dobke, CEO Outlet Centres International UK Ltd. Foto: Holger Isermann

Wolfsburg weint. Aber es ist nur der Himmel. Kalte Regenschauer und starke Windböen peitschen an einem dunklen Dienstagabend um die fast menschenleeren Designer Outlets Wolfsburg. Wer zu dieser Zeit noch hier ist, muss arbeiten – oder darf wie wir, ein Interview führen. Monatelang haben wir auf einen Termin mit Hans Dobke gewartet. Nun ist der 71-jährige DOW-Gründer und Minderheitseigentümer wirklich da. Sein Koffer steht noch unausgepackt im Eingangsbereich des Center-Managements. Dobke, über den nur wenige Informationen zu finden sind, lebt seit 1970 in London und nimmt sich zwei Stunden Zeit für ein ausführliches Gespräch über seine beeindruckende Biografie, die weltweite Entwicklung des Handels und natürlich die Designer Outlets Wolfsburg.

Eröffnet wurde der futuristisch anmutende Komplex, dessen ellipsenförmige Hauptgebäude zwei Schiffe am Ufer des Mittellandkanals symbolisieren, am 15. Dezember 2007. Die finale Erweiterung des größten Outlet Centers in Norddeutschland feierte Dobke nun am 24. Oktober 2018. Auf über 20.000 Quadratmetern Mietfläche präsentieren internationale Hersteller mehr als 85 Marken – reduzierte Artikel der Vorsaison, Musterkollektionen, Produktionsüberschüsse und 1b-Ware – von High Fashion, Streetwear und klassischen Kollektionen über Underwear bis hin zu Kindermode. Uhren, Haushaltswaren sowie Schmuck runden das Angebot ab.

Dobke zeigt sich beim Fotoshooting mit wehendem Trenchcoat auffallend wetterfest und hellwach im Gespräch über Shopping zwischen Hangar und Landebahn, unseren Hunting Instinct und das Denken über Ländergrenzen hinweg …

 

Herr Dobke, wann sind Sie zum ersten Mal mit dem Handel in Berührung gekommen?

Mein Vater war Verkaufsdirektor für Edeka in Süddeutschland. Er nahm mich von Zeit zu Zeit mit auf Reisen in die Filialen oder zu Ausstellungen. Und Zuhause wurde am Mittagstisch über Handel gesprochen, das war sein Einkommen und sein Business.

Und Sie waren früh mittendrin.

Ja, auch mein Opa stammt aus der Branche. Er hatte einen Eisenwarenhandel in der Mark Brandenburg. Insofern steckt mir das Thema wahrscheinlich im Blut.

War Ihnen schon als Kind klar, dass der Handel Ihr Thema werden wird?

Nein, nach dem Abitur bin ich zunächst zur Bundeswehr gegangen und habe mich für zwölf Jahre verpflichtet. Am Ende war ich Leutnant bei der Luftwaffe, aber ich bin nach vier Jahren ausgestiegen. Das war einfach nicht mein Ding. Zwischenzeitlich hatte ich meine Frau kennengelernt, die Engländerin ist und zog mit ihr nach London.

Dort haben Sie bei Marks & Spencer gearbeitet, der damals größten englischen Warenhauskette .

Genau. Eigentlich wollte ich in London studieren, aber es kam anders. Ich absolvierte bei Marks & Spencer ein so genanntes Graduate Training Scheme, weil mir meine Bundeswehrlaufbahn als Studium angerechnet wurde. Das war der erste berufliche Berührungspunkt mit dem Einzelhandel. Man wollte damals europäisch expandieren und ich sprach neben Deutsch auch Englisch und Französisch.

Das war damals alles andere als selbstverständlich. Woher kamen Ihre Sprachkenntnisse?

Ich bin in Ludwigsburg auf ein humanistisches Gymnasium gegangen, das sehr auf Sprachen fokussiert war. Es ging los mit Latein, dann Griechisch, Englisch, Französisch und so weiter. Außerdem lebten wir nahe der französischen Grenze und waren dort häufig im Urlaub.

Wie ging es dann bei Marks & Spencer für Sie weiter?

Ich war viele Jahre lang Filialleiter in London und diversen anderen Städten. Dort habe ich das Geschäft von der Pike auf gelernt.

Was unterscheidet denn den englischen vom deutschen Handel?

Die Engländer sind sehr begabte Einzelhändler. Vielleicht hängt das mit der Historie und dem British Empire zusammen. Vieles, was sich heute im deutschen Handel abspielt, basiert auf Erfahrungen im United Kingdom.

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