Die Asbest-Killer

Borchers Fußbodentechnik aus Salzgitter

André Reinheckel (links) und Christian Meding zeigen das Schleifgerät (vorne) und das Absauggerät. Foto: Bernward Comes

In den 1960er-Jahren war Asbest everybody’s darling, ein Stoff; mit dem sich alles machen ließ, der für fast jeden Zweck eine tolle Eigenschaft mitbrachte: In der Wärmedämmung, als Baustoff, in der Autoreifenindustrie, bei Arbeitsschutztextilien.

Inzwischen weiß man, dass das Einatmen der Fasern krebserregend sein kann und versucht, den alten Asbest zu entfernen – aber weil die Fasern so klein sind und eine Entfernung etwa von Fußbodenbelägen samt Kleber und Estrich richtig Aufwand bedeutet, kann das ganz schön ins Geld gehen. Ein neues Verfahren erleichtert nun, asbesthaltige Kleber zu entfernen – und spart dadurch Aufwand, Zeit und Ressourcen. Die Firma Borchers aus Engelnstedt, Fachbetrieb für Fußbodentechnik, wendet das Verfahren an – „die Auftragsbücher sind gut gefüllt“, verrät Inhaber André Reinheckel. Bei dem neuen Verfahren ist das Geheimnis, dass nur die zu bearbeitende, relativ kleine Fläche mit dem Arbeitsgerät abgeschirmt wird – und das ist nicht größer als ein Staubsauger. „Das Gerät arbeitet mit einer Ansaugglocke“, verdeutlicht Reinheckel – wenn der Unterdruck nicht funktioniert, schaltet sich die Maschine ab. Was abgeschliffen wird, wird gleich per Industriesauger entfernt, erklärt er.

Früher habe man den gesamten geplanten Arbeitsbereich abschirmen müssen, gesichert durch Schleusen. Denn nicht nur die asbesthaltigen Platten, sondern auch der Klebstoff darunter muss entfernt werden, das war früher eben auch mit der Entsorgung des gesamten Estrichs verbunden, erläutert Reinheckel. Bei dem neuen Verfahren wird der Klebstoff abgeschliffen, der Estrich aber bleibt. Während der Arbeit werde zudem die Faserzahl gemessen. Das abgesaugte Material wird als Sondermüll entsorgt. Natürlich werde das Unternehmen sorgfältig geprüft, wie überall, wo es um Gesundheit geht – auch die Mitarbeiter würden alle zwei Jahre speziell medizinisch untersucht. „Der gesamte Maschinenfuhrpark wird einmal im Jahr gereinigt“, sagt Reinheckel, der die gute Zusammenarbeit mit dem Gewerbeaufsichtsamt lobt. Bundesweit wenden 48 Firmen das Verfahren an, weiß der Geschäftsinhaber, dazu sind ein spezielle Ausbildung und ein Sachkundenachweis nötig. „In Salzgitter gibt es noch viel Asbest“, informiert Reinheckel, der das Unternehmen im Jahr 2006 übernommen hat. 18 Mitarbeiter hat er heute, damals waren es vier. Reinheckel bildet auch aus, derzeit sechs zukünftige Fachkräfte, und zwar nicht nur für Asbestfälle. Reinheckel versichert: „Wir wollen auch noch weiter einstellen, wenn Anfragen da sind.“

Asbest wurde wegen vieler praktischer Eigenschaften (beständig, unbrennbar, gut zu verarbeiten) in großen Mengen verwendet, vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren, bis er in Deutschland 1993 verboten wurde, da er krebserregend ist. Vom Einatmen der Fasern bis zum Auftreten einer darauf zurückzuführen- den Erkrankung können bis zu etwa 30 Jahre vergehen. Quelle: Umweltbundesamt

 

Autor: Verena Mai

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