Industrie-Standort mit Lebensqualität (2/4)

Salzgitter blickt zurück auf eine 75-jährige Stadtgeschichte

Frank Klingebiel, Oberbürgermeister der Stadt Salzgitter, seit November 2006. Foto: Stadt Salzgitter

„Salzgitter ist ein Industrie-Standort, der aber eine hohe Lebensqualität bietet“, sagt Thomas Wetzel, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung. Von außen werde das oftmals gar nicht wahrgenommen. „Aber wir, die hier leben, wissen das“, betont Wetzel und verweist auf die landschaftliche Schönheit rund um den Höhenzug, am Salzgitter-See oder an der Innerste. Diese Qualität mit hoher Familienfreundlichkeit soll künftig noch stärker kommuniziert werden. Es geht dabei um die Fachkräfte-Gewinnung für die erfolgreiche und teilweise expandierende Wirtschaft Salzgitters. Ein weiterer Schritt zum besseren Image ist getan: Seit wenigen Wochen gibt es eine Tourismus-Homepage der Stadt Salzgitter – konzipiert und umgesetzt von der Wirtschaftsförderung (
www.tourismus-salzgitter.de). „Die Stimmung in unserer Wirtschaft ist generell gut“, sagt Wetzel. Das Thema Strukturwandel in der Mobilitätswirtschaft stehe ganz oben auf der Agenda. Die großen Konzerne vor Ort werden sich dem Thema stellen. „Es gibt schon viele Ansätze“, erklärt Wetzel und verweist etwa auf den neuen mit Wasserstoff betriebenen Zug von Alstom oder die Firma Sileo, die sich auf E-Busse für den Linienverkehr spezialisiert hat. Derzeit arbeitet Sileo verstärkt daran, die Produktion nach einem Großbrand in einer Produktionshalle wieder voll in Gang zu setzen. Geschäftsführung und Management sind da äußerst zuversichtlich.

Für Wirtschaftsförderer Wetzel ist jedenfalls klar: „Wir wollen den Strukturwandel hier mitgestalten und uns dafür positionieren.“ In der Wirtschaft Salzgitters seien die richtigen  Aspekte sichtbar: Es geht vermehrt in die Richtung alternative Antriebe und Elektromobilität. Ein Zeichen dafür seien auch viele Neugründungen, die sich mit diesen Themen beschäftigen – darunter etwa Batterie-Recycling und -Technologie. Strategisch wichtig wird in den kommenden Jahren aus Sicht der Wirtschaftsförderung neben dem Punkt Fachkräfte auch das Thema Flächen sein. „Derzeit können wir auch kleinen und mittleren Unternhemen kleine Flächen zur Verfügung stellen“, sagt Wetzel. Dies sei lange Zeit wegen des Zuschnitts  nicht möglich gewesen. Zudem betreibt die Wirtschaftsförderung an ihrem Standort in Salzgitter-Bad ein Technologie- und Gründerzentrum. Dies sei nie vollständig ausgelastet. „So können wir stets flexibel reagieren“, betont Wetzel. Ein Beispiel für einen gründlichen Erfolg aus dem TGZ sei die Firma Salzgitter Eurologistik. Im Jahr 2003 gegründet hat das Unternehmen dort ganz klein angefangen. Inzwischen sitzt die Firma auf 16.000 Quadratmetern in Watenstedt und beschäftigt rund 30 Mitarbeiter.

Salzgitter hat zwar viele Erfolgsmeldungen aus einem innovativen KMU-Sektor vorzuweisen, doch das wirtschaftliche Herz der Stadt schlägt nach wie vor im Osten – dort wo die Hauptverkehrswege Industriestraße Nord und Mitte heißen. Die großen Produktions-Werke bieten die meisten Arbeitsplätze und schaffen den größten Umsatz. Daher wird es dort wichtig sein, die richtigen Antworten auf die Zukunftsfragen zu finden.

Im MAN-Werk Salzgitter wurden jedenfalls die Weichen für die Zukunft gestellt. Die Abteilung Truck & Bus hat kürzlich eine neue Montagelinie für die Achsproduktion in Betrieb genommen. Ab 2018 werden dort nicht-angetriebene MAN- und Scania-Achsen nebeneinander auf einem Montageband gefertigt. Dabei handelt es sich um ein wichtiges gemeinsames Großprojekt von MAN und Scania in der Produktion. Die Neuausrichtung des Standortes Salzgitter nehme damit weiter Gestalt an, erklärt Werkleiter Thomas Rennemann. „Wir haben 30 Millionen Euro in die neue, hochmoderne Montagelinie investiert. Hier entstehen in diesem Zusammenhang rund 200 neue Arbeitsplätze. Das ist eine gute Nachricht für Salzgitter und die Region.“ Der Vorsitzende des Betriebsrats, Hilmar Pawel, ergänzt: „Wir sind froh, endlich ein Alleinstellungsmerkmal in der Gruppe zu haben und werden alles daran setzen, die Achsfertigung zukunftsfähig zu halten.“ Das Salzgitteraner MAN-Werk blickt zudem derzeit auf 30 Jahre Achsmontage zurück. Bis in die 1990er Jahre hinein kamen die Vorder- und Hinterachsen für die LT-40Reihe von VW aus Salzgitter. Um die Jahrtausendwende wurden weitere Bänder aufgebaut. Die Fertigung erfolgte inzwischen in bis zu drei Schichten. Seit dem Jahr 2006 werden MAN Hydrodrive-Achsen gefertigt. Erstmals übertraf das Werk in dem Jahr zudem die Produktion von 100.000 Achsen. 2008 bis 2009 kamen weitere Bänder hinzu. Die Jahreskapazität beträgt 141.000 Achsen in zwei Schichten. Mit dem neuen Band wurden jetzt etwa 200 neue Jobs geschaffen. Zukünftig können 940 Achsen pro Tag in zwei Schichten montiert werden. Neue Technologien – CO2-Washer, Trockenfilter für Farbreste – in der Lackierung finden erstmals Anwendung. 16 Roboter sorgen zukünftig für den richtigen Korrosionsschutz. 76 fahrerlose Transportfahrzeuge werden für die Montage- und Logistikaufgaben eingesetzt.

 

Lesen Sie weiter:

Industrie- Standort mit Lebensqualität – Salzgitter blickt zurück auf eine 75-jährige Stadtgeschichte (3/4)

^