Industrie-Standort mit Lebensqualität (4/4)

Salzgitter blickt zurück auf eine 75-jährige Stadtgeschichte

Thomas Wetzel, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung. Foto: WIS

Das war ein Grund für den aktuellen Neubau, der kurz vor der Fertigstellung steht: ein großes Rohmaterial- und Fertigteile-Lager. „So werden wir unsere Lieferzeiten verbessern“, ist Kierchner überzeugt. Mittelstand steht oftmals für Kontinuität und Innovation gleichermaßen: Bei Lindhofer Elektrotechnik wird derzeit runder Geburtstag gefeiert, denn am 1. Oktober 1977 gründete Herbert Lindhofer die Firma. 1996 steigt sein Sohn Michael mit ein – er hält heute die Mehrheit im Unternehmen und blickt voraus: „Unsere Branche ist vielfältig. Es gibt stets neue Entwicklungen“, sagt Michael Lindhofer. Für ihn bedeutet das: einerseits viele Aufträge, „andererseits darf man auch nie nachlassen und muss ständig dazulernen.“ Derzeit ist Lindhofer beispielsweise an einem Neubauprojekt eines Altenpflegeheims im Braunschweig beteiligt. „Wir installieren dort die gesamte Elektrik, Sicherheitstechnik und Kommunikation wie etwa Schwesternrufe“, berichtet Lindhofer. In Hannover erweitert die Firma derzeit zudem in einem 13-stöckigen Verwaltungsgebäude das Brandmeldesystem. Die Lindhofer-Spezialisten sind oftmals auch für Zutrittskontrollen in Forschungszentren zuständig – etwa Kartenleser oder elektronische Schließsysteme. Solche Aufträge erfordern stetige Fortbildungen der 25 Mitarbeiter. „Wir setzen auf Effektivität und Qualität“, sagt Lindhofer zur Firmenstrategie.

Seit einigen Jahren ist auch wieder Bewegung in der Entwicklung der Innenstadt. In der Chemnitzer Straße hat sich einiges getan. Größtenteils lässt sich diese neue Dynamik auf die Tätigkeiten des Investors Helmut de Jong zurückführen, der einige Immobilien umgestaltet oder neu gebaut hat – so kamen neue Mieter in die Fußgängerzone, wie etwa die schwedische Modekette H&M. Derzeit wird gegenüber des Gewerkschaftshauses gebaut. Das langjährige Salzgitteraner Kaufhaus Elka ist ausgezogen – ebenso die Commerzbank-Filiale. Das Gebäude wurde abgerissen. Jetzt beginnt dort der Neubau eines Hotels. Spätestens im Frühjahr 2019 werde das Dormero eröffnen – ein 4-Sterne-Superior-Hotel. 120 Zimmer, ein 300 Quadratmeter großer Tagungsbereich, Restaurant, Fitness und Wellness – das Haus soll kaum Wünsche offen lassen. Laut Dormero-Vorstand Marcus Maximilian Wöhrl passe das Hotel „genau jetzt perfekt in die Gegend, die als wichtiger Wirtschaftsstandort aktuell von zukunftsweisenden infrastrukturellen Veränderungen geprägt ist“. Die Idee zum Standort Salzgitter sei Wöhrl nach einer Rede des stellvertretenden Bürgermeisters der Stadt Salzgitter in der Ostfalia gekommen: „Er überzeugte mich vom Potenzial dieser lebendigen Stadt, in der bereits viele Veränderungen stattfinden.“ Das neue Hotel in der Fußgängerzone erweitert das Angebot in Salzgitter auf einen Schlag deutlich. Den Platzhirschen in der Stadt – das Hotel am See – stört das nicht. Im Gegenteil: „Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagt Jürgen Tangemann, Geschäftsführer des Vier-Sterne-Hotels, das nur wenige Meter vom Salzgitter-See entfernt ist.

Es sei vorteilhaft, mehrere Anbieter zu haben. Bei großen Veranstaltungen im Hotel seien etwa stets alle Zimmer ausgebucht, erklärt er. Insofern könne er sich sogar eine Zusammenarbeit mit dem neuen Anbieter vorstellen. Grundsätzlich seien seine Zimmer durchgehend gut belegt. Zu den Kunden gehören viele Geschäftsreisende der Salzgitter AG oder des Volkswagen-Konzerns. „Wir bleiben stets flexibel und können auf unterschiedliche Szenarien reagieren“, so Tangemann. Dazu stehen immer wieder Modernisierungen auf dem Plan. Im vergangenen Jahr wurde etwa die Rezeption komplett erneuert. Aktuell wurde ein Raum der „Schänke“ – eines der beiden Restaurants im Hause – komplett saniert. Zudem werden derzeit fortlaufend alle Hotelzimmer nach und nach modernisiert – mit allem drum und dran. In den Herbstferien steht noch dazu die Renovierung des zweiten Restaurants „Shiraz“ an.

Salzgitter steht seit vielen Jahren schon für kulturelle und ethnische Vielfalt und Dynamik. Seit der Flüchtlingskrise von 2015 steht die Stadt aber vor einer Herausforderung. Seitdem habe Salzgitter (Stand 31. August) 5.718 Flüchtlinge aufgenommen. „Dadurch entstehen erhebliche Kosten in den Bereichen Unterkunft, Kinderbetreuung, Beschulung, sozialarbeiterische Betreuung und Sprachvermittlung – ganz zu schweigen davon, dass wir mit dem Bau und Betrieb der nötigen Infrastruktureinrichtungen gar nicht nachkommen können“, erklärt Klingebiel. Der Prozess der Integration habe erst begonnen und werde äußerst kostspielig. Für die Zukunft gelte es, „den Wirtschaftsstandort Salzgitter weiter auszubauen und unsere Stadt noch mehr auch als Wohn- und Arbeitsort attraktiv zu gestalten“, so Klingebiel. Der oberzentrale Verbund mit Braunschweig und Wolfsburg müsse gefestigt sowie der Öffentliche Personennahverkehr stärker weiterentwickelt werden. „Die Integration der hohen Zahl an in Salzgitter bereits lebenden Flüchtlinge muss gelingen. Nicht gerade wenig Aufgaben in einer bewegten Zeit, um die wir uns mit voller Kraft und nachdrücklich kümmern werden“.

Perfekt für einen Betriebsausflug: Zahlreiche Industrieanlagen in Salzgitter lassen sich besichtigen

VW-Werk: Zweistündige Werktouren finden an Wochentagen um 9.30 Uhr und 13.30 Uhr statt. Anmeldungen nimmt der Volkswagen-Besucherdienst telefonisch unter Telefon (05341) 232236 entgegen. Mindestalter 10 Jahre.

MAN
: Gruppenführungen gibt es auf Anfrage montags bis freitags von 9 Uhr bis 10.30 Uhr. Anfragen an: andreas.pahlke@man.eu oder susanne.witzig@man.eu sowie telefonisch unter Telefon (05341) 28 15 89.

Salzgitter AG: Eines der modernsten Hüttenwerke Europas lässt sich bei der Salzgitter AG besichtigen. Die Salzgitter AG Stahl und Technologie zeigt zu ausgewählten Terminen (werktags) den Prozess der Stahlherstellung von der Erzeugung des Roheisens am Hochofen bis zur Herstellung von Halb- und Fertigprodukten in den Walzwerken. Der Besucherdienst des Unternehmens betreut Gruppen ab 15 Personen eigenständig nach Voranmeldung unter Telefon (05341) 213442 oder per E-Mail an besucherzentrum@salzgitter-ag.de. Einzelpersonen (Mindestalter 16 Jahre) melden sich direkt bei der Tourist-Information an: Telefon (05341) 900 99 40 oder tourismus@wis-salzgitter.de.

Schacht Konrad: Unter die Erde zu reisen, ist in Schacht Konrad möglich. Das ehemalige Erz-Bergwerk und heutige umstrittene Atommüll-Endlager ist der touristische „Tiefpunkt“ Salzgitters: 1.000 Meter geht es bei den Schachtbefahrungen nach unten. Sie finden werktags statt. Aus Platzgründen können an einer Fahrt maximal 30 Personen teilnehmen.  Kontakt: Telefon (05341) 8673099.

Alstom
: Im Werksmuseum zeigt der Zug-Hersteller historische Modelle – etwa den  Hofsalonwagen 2a der Kaiserin Auguste Victoria (1858 – 1921). Dampfloks und Straßenbahnen sind ebenfalls zu bestaunen. Besichtigungen des Museums sind für Gruppen auf Anfrage möglich. Ansprechpartner ist Mathias Flagel, der unter Telefon (05341) 9006126 oder per E-Mail an mathias.flagel@transport.alstom.com erreichbar ist.

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