Industrie-Standort mit Lebensqualität

Salzgitter blickt zurück auf eine 75-jährige Stadtgeschichte

Blick auf Salzgitter. Foto: AK-Photography

Das Jahr 2017 stand in Salzgitter ganz im Zeichen des Jubiläums. Dabei ist das riesige Konglomerat aus Ortschaften noch ein relativ junges Gebilde. Während andere Städte unserer Region auf mittelalterliche Urkunden verweisen, um ihre Gründungsdaten zu belegen, feierte Salzgitter in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag. Dabei geht es selbstverständlich aber nur um die Schaffung des Kunstproduktes.

Die einzelnen Ortschaften sind deutlich älter – der Sportverein VfL Salder etwa feierte in diesem Jahr ebenfalls Jubiläum; er wurde 125 Jahre alt. Salder selbst wurde wohl vor mehr als 800 Jahren gegründet. Auch „Alt Lebenstedt“ – heute der bevölkerungsreichste Stadtteil – feierte erst kürzlich seinen 888. Geburtstag. Die kreisfreie Stadt Salzgitter als Verwaltungseinheit wurde aber vor 75 Jahren geschaffen. Die Umstände, die dazu führten, sind wiederum kein Grund zum Feiern. Schließlich geht die Schaffung der Hermann-Göring-Werke und die darauffolgende Stadtgründung auf Initiative der Nationalsozialisten zurück. Stahl aus Salzgitter war insbesondere für die Aufrüstung der Wehrmacht von zentraler Bedeutung. Gleichwohl ist aus dieser düsteren Vorgeschichte ein moderner und multikultureller Wohn- und Wirtschaftsstandort geworden. Aus den Reichswerken wurde – über Umwege – die Salzgitter AG, die heute rund 8.000 Mitarbeiter in Salzgitter beschäftigt (23.000 insgesamt) und damit der größte Arbeitgeber im Stadtgebiet ist. Die Industrie-Tradition wird in der Stahlstadt noch immer sehr groß geschrieben. Das VW-Werk Salzgitter (7.500 Mitarbeiter), Alstom (2.700) und das MAN-Werk Salzgitter (2.500) stehen für die große Bedeutung der Arbeitsplätze in der industriellen Produktion.

„Am 1. April 1942 wurde Salzgitter am Reißbrett entworfen; sozusagen eine Zwangsgemeinschaft von rund 30 Dörfern, einer Kleinstadt, Barackenlagern und Kleinansiedlungen – ohne gemeinsame Identität“, rekapituliert Oberbürgermeister Frank Klingebiel die Entstehungsgeschichte seiner Stadt. „Das Besondere ist, was die Bürgerinnen und Bürger aus dieser sehr ungewöhnlichen Stadtgründung gemacht haben. Und das kann sich sehen lassen!“ Salzgitter sei heute eine weltoffene, tolerante und dynamische Großstadt mit vielen Facetten und gelebter guter Nachbarschaft. Salzgitter ist im Verbund mit Braunschweig und Wolfsburg auch Oberzentrum der Region und drittgrößter Industriestandort in Niedersachsen. „Als starker Wirtschaftsstandort verfügt Salzgitter über viele eigene Gewerbeflächen zu attraktiven Verkaufspreisen und in günstiger Verkehrslage“, erklärt Klingebiel. Zudem sei die Stadt auf dem Weg, eine der kinder- und familienfreundlichsten Lernstädte Deutschlands zu werden. „Nach dem Krieg ist Salzgitter insbesondere von den vielen Flüchtlingen und Vertriebenen aufgebaut worden. Diese Menschen haben die Grundlage für die weitere Entwicklung der Stadt geschaffen“, so Klingebiel weiter. Hervorzuheben sei die erfolgreiche Verhinderung der Demontage von 1949 bis 1951: „Hier standen die Bürgerinnen und Bürger eng zusammen, um sich für den Erhalt ihrer Stadt einzusetzen.“

Diese „zweite“ Geburtsstunde Salzgitters sei ein wichtiges historisches Ereignis, das seit 2015 mit einer Gedenktafel vor dem Rathaus gewürdigt wird. „Bis heute stehen die Menschen Seite an Seite, wenn es um ihre Stadt geht: Sie kämpfen für den Erhalt von Arbeitsplätzen, wenn Produktionsstätten oder -stufen von Großbetrieben in Billiglohnländer verlegt werden sollen, sie gehen gemeinsam gegen Schacht Konrad auf die Straße und kümmern sich ehrenamtlich in beeindruckender Weise um die Flüchtlinge“, erklärt der engagierte Politiker. Die Stadt weise ein deutlich über dem Bundes- und Landesdurchschnitt liegendes Gehaltsniveau auf. Neben den international führenden Unternehmen – Salzgitter AG, VW, MAN, Bosch und Alstom – sorgten auch mittelständische Betriebe und das solide und vielseitige Handwerk sowie die leistungsstarke Landwirtschaft für eine hohe Beschäftigungsquote in Salzgitter. Auch als Wohnort sei Salzgitter attraktiv: Sport- und Freizeitmöglichkeiten, kostenloser Kita-Besuch und hochwertige Schulen stehen zur Verfügung. „Vor allem aber die Menschen, die Salzgitter aufgebaut und weiterentwickelt haben und hier gerne leben, sind es, die mit ihrer offenen, ehrlichen, freundschaftlichen und hilfsbereiten Art unsere Stadt in Gänze auszeichnen. Ich sehe es dabei als meine Aufgabe an, gemeinsam mit Politik, Wirtschaft und Bürgerschaft für unsere Stadt zu werben und dafür zu sorgen, dass Salzgitter als Oberzentrum zukunftsfähig bleibt“, verspricht der Oberbürgermeister.

 

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