Knotenpunkt im Herzen Niedersachsens (2/3)

Bis in die Mitte der 1970er Jahre, bis zur großen Stahlkrise, profitierte Peine von seiner Stahlindustrie

Die Röchling Automotive SE & Co. KG produziert unter anderem Mittelkonsolen, Windläufe und Türinnenverkleidungen für PKW. Foto: Regio-Press

Für einige Firmen in der Region ist der Mangel an qualifizierten Fachkräften

problematisch. Neben dem produzierenden Gewerbe sind davon auch Handwerker und Branchen wie die Altenpflege betroffen. Auch der demografische Wandel erschwert die Suche nach Arbeitskräften. „Die neue Situation erfordert ein Neudenken im Kopf der Unternehmensleiter: Sie müssen nicht nur erfolgreich Produkte und Dienstleistungen an die Kunden verkaufen, sondern auch den eigenen Betrieb an die Mitarbeiter und die potenziellen Arbeitskräfte“, erklärt Adamski. Für die Arbeitgeber ist die Situation dagegen gut: „Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei 5,3 Prozent, was auch im niedersächsischen Vergleich niedrig ist“, so Adamski. Auch Leih- und Zeitarbeiter von Volkswagen, deren Verträge nicht verlängert wurden, fänden derzeit relativ leicht neue Arbeitsplätze. Betriebe mit hohem Arbeitskräftebedarf bietet die Wito in Kooperation mit den Gemeinden Unterstützung bei der Fachkräftegewinnung an, wenn diese darüber nachdenken in einem Gewerbegebiet der Region einen Standort zu eröffnen. „Woran allerdings gearbeitet werden muss und bereits wird, ist eine Erhöhung des Anteils von Arbeitsplätzen für hochqualifizierte Menschen im Verhältnis zur Gesamtzahl aller Arbeitsplätze“, sagt der Leiter der Volksbank-Direktion Peine Honrath.

Bei Pawils, Elektromaschinenbau, werden daher alle 59 Mitarbeiter regelmäßig fortgebildet und geschult. „Wir investieren jährlich in die Ausbildung neuer Elektroniker für Maschinen- und Antriebstechnik, derzeit sind zehn unserer Mitarbeiter Auszubildende“, erklärt Mareike Hoffmann, Assistentin der Geschäftsleitung. Mit 18 Montagefahrzeugen sind die Mitarbeiter unterwegs und kümmern sich entweder direkt vor Ort um die Installation von Schaltschränken oder Steuerungstechnik, oder bieten als VorOrt-Service Hilfe bei den vom Unternehmen gebauten Elektromaschinen an. Insgesamt umfasst das Geschäftsfeld die Bereiche Steuerungstechnik, Schaltschrankbau, Energiemanagement, Elektromaschinenbau, Anlagenrevision, Kranservice, Leihgeräteservice, Pumpenservice, Antriebstechnik und Elektrowerkzeuge.

„Um unsere Mitarbeiter zu halten, unterstützen wir sie durch betriebliche Sonderleistungen. Unsere Mitarbeiter setzten sich aus Elektronikern für Maschinen- und Antriebstechnik, Elektromaschinenbauern und Verwaltungskräften zusammen“, so Hoffmann. Als einen der Standortvorteile sieht das Unternehmen den ländlichen Charakter Peines an, durch den schnell gute Verhältnisse zu Kunden und Lieferanten entstehen. Auch Kooperationen mit anderen Unternehmen entständen schnell. Zudem nutzen sie die Autobahnanbindung, um überregionale Kunden bedienen zu können.

Für Betriebe, die sich vorstellen können Flüchtlinge auszubilden oder ihnen eine Job zu geben, ist Andreas Gawron der Ansprechpartner. Der Mitarbeiter der Kreishandwerkerschaft berät die 200 Innungsbetriebe als Willkommenslotse rund um die Beschäftigung von Asylbewerbern. Auf deranderen Seite begleitet er potenzielle Bewerber durch den Behördendschungel zur Arbeitserlaubnis und sucht für sie den passenden Betrieb. Oftmals muss im Vorfeld geklärt werden, welche Deutschkenntnisse nötig sind und wie der Aufenthaltsstatus des Betreffenden ist, bevor er eine Stelle antreten kann. Auch beim Verfassen von Bewerbungen und vor Vorstellungsgesprächen gibt er Tipps und Hilfestellungen. Für die zukünftigen Arbeitgeber setzt er Verträge für Praktika und Ausbildungen auf oder kümmert sich um die Informationen und Genehmigungen von Behörden. Die interessierten Betriebe haben die Möglichkeit eine Kooperation mit der Berufsbildungsgesellschaft BBG einzugehen, über die Auszubildende im Unternehmen wie eigene Lehrlinge beschäftigt werden können. Die Auszubildenden erhalten dadurch etwas weniger Gehalt, können aber Förderungen wie psychologische Unterstützung oder Nachhilfe in Anspruch nehmen. Das Modell der Willkommenslotsen ist in ganz Deutschland verbreitet, 150 von ihnen sind im ganzen Bundesgebiet verteilt.

Die gute Verkehrsanbindung des Landkreises nach Braunschweig und Hannover hat jedoch auch ihre Schattenseiten. Der Einzelhandel beklagt mehr und mehr einen Kaufkraftabfluss in die beiden Städte sowie in den Internethandel, beschreibt Adamski von der Wito die Situation. „Mit Blick auf einheitliche Öffnungszeiten und einen gemeinschaftlichen Werbeauftritt hat der Einzelhandel in der Region noch Luft nach oben“, meint Pannke. Innerhalb des Landkreises sei die individuelle Nähe der Gemeinden zu anderen Städten deutlich zu spüren, beschreibt Stefan Honrath von der Volksbank BraWo. Während sich die Bewirtschaftungsschwerpunkte der Landwirtschaftsbetriebe in der Region durch unterschiedliche Ackerböden deutlich voneinander unterscheiden lassen, bewegen sich die Pendlerströme in unterschiedliche Richtungen. Wolfsburg und Braunschweig werden aus nahezu allen Gemeinden angesteuert.

 

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