Knotenpunkt im Herzen Niedersachsens (3/3)

Bis in die Mitte der 1970er Jahre, bis zur großen Stahlkrise, profitierte Peine von seiner Stahlindustrie

Das Gewerbegebiet Ilseder Hütte bietet Flächen für Gewerbeansiedlungen, um neue Unternehmen anzusiedeln. Foto: Stadt Peine

Peiner, Edemisser und Ilseder haben allerdings häufiger eine Ausrichtung nach Hannover als Einwohner aus Hohenhameln. Diese hingegen bevorzugen Pendelstrecken nach Hildesheim, die für alle anderen Orte des Landkreises eine untergeordnete Rolle spielen. „Der Landkreis bietet einige Standortvorteile: Die Verkehrsanbindungen, erschwingliche Baupreise, moderate Mietpreise, eine gute engmaschige Versorgung mit Schulen, Kindergärten, Ärzten, Handel etc. machen den Landkreis nicht nur attraktiv als Standort für Unternehmen. Er präsentiert sich auch als vorteilhafter Wohnsitz für deren Mitarbeiter, die in den umliegenden Oberzentren arbeiten“, so Honrath. Das rege Vereinsleben trage dazu bei, dass Zuzügler sich schnell „zu Hause fühlen“.

In den umliegenden Gemeinden werden unterschiedliche Anstrengungen unternommen, um Firmen an den Standorten zu halten und neue Ansiedlungen zu fördern. In der Gemeinde Ilsede wird das Gewerbegebiet Ilseder Hütte durch seine Breitbandabdeckung als „Gigapark“ vermarktet. Angesprochen werden sollen unter anderem IT-Firmen und Online-Versandhändler. „Breitbandversorgung ist ein Infrastrukturmerkmal, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. Gewerbegebiete, die keine bezahlbaren, schnellen Internetverbindungen ermöglichen, sind deutlich schwerer zu vermarkten“, meint Adamski. Auch schnelle Reaktion auf Firmenanfragen und die Suche nach passenden Lösungen für Kommune und Gewerbetreibende nennen im Landkreis ansässige Firmen häufig auf die Anfrage, warum sie sich für den Standort entschieden haben. Auch die Hebesteuersätze sind im Vergleich günstiger als in Salzgitter oder Gifhorn.

Auch beim Peiner Klinikum, seit 2003 teil der AKH-Gruppe, Tochtergesellschaft des Allgemeinen Krankenhaus Celle, hat sich einiges seit der Gründung 1887 geändert. Ein Herzkathederlabor und eine neue Küche wurden nach dem Zusammenschluss mit Celle eingerichtet, mehrere Gebäudeabschnitte sowie die Zentrale Notaufnahme komplett saniert. Daneben bildet das Klinikum jedes Jahr 25 Menschen zu Krankenpflegern aus. „Wir haben den Anspruch, für die Bewohner des Landkreises Peine und angrenzende Einzugsgebiete eine qualitativ hochwertige und wohnortnahe Patientenversorgung anzubieten“, berichtet Hans Werner Kuska, kaufmännischer Direktor im Klinikum Peine. Dazu gehöre die Überzeugung, alle Aktivitäten nachhaltig und effizient zu gestalten. Daher trete das Klinikum über Aus-, Fort- und Weiterbildung des eigenen Personals sowohl im pflegerischen als auch im ärztlichen Personal bereits aktuell dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel entgegen. Die inhaltlich hochwertige Ausbildung bildet nicht nur die Basis für den künftigen Erfolg des Unternehmens, sondern brachte jetzt auch einen besonderen Erfolg ein.

Beim Bundeswettbewerb „Bester Schüler in der Alten- und Krankenpflege“ hat es Katharina Kreye in die Endausscheidung geschafft. Die Schülerin der an das Klinikum angeschlossenen Gesundheits- und Krankenpflegeschule hat zunächst am Vorentscheid teilgenommen und die Prüfung bestanden, so dass sie als eine von zwei niedersächsischen Auszubildenden an der Endrunde in Berlin teilnahm. Insgesamt traten dort 24 Schüler aus ganz Deutschland an. Die Peinerin Kreye holte sich sensationell den zweiten Platz. „Im Besonderen freuen wir uns, dass wir im Klinikum mit unserer Krankenpflegeschule am Standort Peine auch in der Ausbildungsstatistik des Landkreises Peine stets vordere Plätze einnehmen. Damit schaffen wir auch Perspektiven für Schulabgänger in der Region“, so Kuska. Das Klinikum setze auf eine hohe Qualität bei der Ausbildung – etwa bei den Lehrkräften und den Kooperationen mit anderen Einrichtungen.

Dazu gehören auch Austauschprogramme mit anderen europäischen Ländern. Damit kommen neue Impulse in die Ausbildung. Zudem sei die Begleitung der Krankenpflegeschüler auch im klinischen Alltag durch erfahrenes Personal (Praxisanleiter) ein wichtiges Element. „Trotz schwieriger Rahmenbedingungen wird hier im Spagat zwischen der Patientenversorgung und der Betreuung der Schüler eine Menge geleistet“, berichtet Kuska. Wichtig sei der permanente Dialog zwischen den Pflegeeinheiten des Hauses, der Schulleitung und den Lehrenden mit der Pflegedienstleitung. Kuska prognostiziert: „Nur die Reflexion des eigenen Handelns mit den Ergebnissen wird diese Qualität auf Dauer sichern können“.

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