Mehr als Stahl & Härke

In Peine trifft 1A-Lage auf Innovation und Wirtschaftskraft

In Peine trifft 1A-Lage auf Innovation und Wirtschaftskraft. Foto: Peiner Träger

In Peine trifft 1A-Lage auf Innovation und Wirtschaftskraft. Foto: Peiner Träger

Peines Stärke – Stahl und Härke – so lautet ein altes Sprichwort der Region. Diese Stärke basiert inzwischen auf einer noch bunteren Mischung aus Industrie und Dienstleistung, kleinen und großen Unternehmen sowie einer breiten Verteilung über die Stadt und den gesamten Landkreis. Nach überwundenen Krisen tragen selbstverständlich Stahl und Härke aber immer noch zum wirtschaftlichen Peiner Gesamtpaket bei.

Die große Stahltradition – inklusive Erzabbau und Hochofenbetrieb – ist inzwischen seit Jahrzehnten beendet. Fortgeführt wird sie dennoch: Die Peiner Träger sind wichtigster Arbeitgeber der Stadt und bedienen den Weltmarkt mit Nischen-Produkten aus Stahl. Laut aktuellem Niedersachsenreport der Nord/LB erwirtschaften die Träger fast 500 Millionen Euro Jahresumsatz. Etwas weniger fährt die DEUMU Deutsche Erz- und Metall-Union ein, die ebenfalls ihren Sitz in der Eulenstadt hat. Beide Unternehmen sind Töchter der Salzgitter AG. Auch die Braumanufaktur Härke ist Tochter eines Nicht-Peiner Unternehmens – in diesem Fall Einbecker. Zur Identifikationsstiftung im Peiner Land ist die Brauerei aber noch immer äußerst wichtig. Die aktuelle gesunde Peiner Wirtschaft spiegelt sich beispielsweise auf dem Arbeitsmarkt wieder. Die Jahresbilanz der Arbeitsagentur las sich durchweg positiv. So sei die Arbeitslosenquote im vergangenen Jahr auf 5,3 Prozent gesunken. Das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Der Landkreis Peine liege damit deutlich unter dem niedersächsischen Durchschnitt. Das schlägt sich allerdings auch bei der Zahl der Neugründungen wieder. Das Interesse am Wagnis Selbstständigkeit ist in dem Arbeitsmarktumfeld um drei Viertel gesunken. „Da wir nahezu Vollbeschäftigung im Landkreis haben und (fast) jeder einen Arbeitsplatz finden kann der möchte, ist die Anzahl der Gründungen in und um Peine gering. Während wir in der Vergangenheit jährlich über 200 Gründungsinteressierte betreut haben, liegen wir jetzt bei unter 50 Interessenten jährlich – zumeist gering qualifizierte Personen“, sagt Matthias Adamski, Unternehmensberater der Wirtschafts- und Tourismusfördergesellschaft Landkreis Peine (Wito).

Peines Wirtschaft

Die Stadt Peine ist über ihre Grenzen hinaus bekannt als Standort für Logistik etwa, aber auch für Industrie: Der Stahl-Gigant Peiner Träger (800 Mitarbeiter), die Automobil-Zulieferer Faurecia (320) und Röchling (380) gehören zu den größten Arbeitgebern der Fuhsestadt. Dazu gehört auch die Peiner Umformtechnik (280). Der kriselnde Schraubenhersteller befindet sich allerdings derzeit in einem Insolvenzverfahren in Eigenregie. Ziel ist es, das Peiner Traditionsunternehmen fit in die Zukunft zu schicken. Die Traditionsunternehmen Rausch-Schokoladenfabrik mit 350 Mitarbeitern und Pelikan (250) gehören weiterhin zu den Riesen im Stadtgebiet. Innovation und Wirtschaftskraft trifft man aber auch im Landkreis an – etwa in Lengede, wo mit Hoffmann Maschinen- und Apparatebau ein weltweit agierender Hersteller von Filteranlagen angesiedelt ist. Mit 220 Mitarbeitern gehört die Firma mit zwei Standorten (Lengede und Broistedt) ebenfalls zu den Top-Arbeitgebern Peines. Genauso wie die Wilhelm Stoll Maschinenfabrik (300 Mitarbeiter). Mit Achat5 ist dort zudem ein kleines, junges und innovatives Unternehmen. Auch in Vechelde gibt es Arbeitsplätze in Industrie und Dienstleistung. Die Galvanotechnik Kessel GmbH & Co. KG beschäftigt beispielsweise der zeit rund 135 Mitarbeiter. Der oberste Wirtschaftsförderer des Landkreises, Wito-Geschäftsführer Gunter Eckhardt, zeigt sich auch, was die einzelnen Gemeinden betrifft, recht optimistisch: „Die direkte Nähe zu den Oberzentren lassen Vechelde und Lengede gut an der wirtschaftlichen Entwicklung teilhaben. Ilsede hat noch nicht ganz die Wachstums-Dynamik erreicht, aber mit guten Ideen und langem Atem wird es auch hier gelingen, die Gewerbeflächen mit Unternehmen zu ‚füllen‘. Die Gemeinde spürt jetzt schon eine größere Nachfrage und entwickelt derzeit das Konzept ‚Gigapark.plus‘, wie das Gewerbegebiet Ilseder Hütte in Zukunft strukturiert werden soll.“ Dort, wo die frühere Peiner Stärke herkam – aus der Hütte – entsteht ein modernes Gewerbegebiet, das insbesondere Unternehmensgründer anziehen soll.

1A ­LAGE

Geografisch ist Peine ohnehin gesegnet von einer besonders guten Lage. Direkt zwischen Hannover und Braunschweig an der A7 gelegen, noch dazu mit Anschluss an den Mittellandkanal – Tatsachen, die die Eulenstadt besonders attraktiv für Logistik-Unternehmen aller Art gemacht hat. Ende des Jahres soll beispielsweise ein neues Distributionszentrum des niederländischen Non-Food-Discounters Action eröffnet werden. Dessen Deutschland-Geschäftsführer Steffen Rosenbauer sagte bei der Grundsteinlegung, der Standort Peine sei ideal. Da er zentral in Deutschland liege und über eine gute Verkehrsanbindung verfüge, könne von hier aus ganz Deutschland optimal beliefert werden. DSV betreibt seit einem Jahr in Peine ein dm-Volumenverteilzentrum. Andere sind schon seit vielen Jahren aktiv: etwa der Fashion-Logistiker Meyer & Meyer (mit rund 480 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber der Stadt). Das Unternehmen aus Osnabrück hat sein Logistikzentrum am Standort Peine immer wieder erweitert und im zweistelligen Millionenbereich investiert.

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