Mit dem Handel fing es an …

Der UNION – Kaufmännischer Verein von 1818 e.V. wird am 18. Oktober 200 Jahre alt. Grund genug für einen Streifzug durch Braunschweigs Wirtschaftsgeschichte und die seiner wohl ältesten noch bestehenden Vereinigung.

Der Braunschweiger Herzog Rudolf August initiiert 1681 zwei Messen, die auf dem Kohlmarkt und den umliegenden Plätzen und Straßen stattfinden. Foto: Archiv

Der Braunschweiger Herzog Rudolf August initiiert 1681 zwei Messen, die auf dem Kohlmarkt und den umliegenden Plätzen und Straßen stattfinden. Foto: Archiv

Braunschweig und die Region sind für seine Industrie bekannt. Das war bereits früher so. Vor allem der Eisenbahnbau, die Zucker- sowie Konservenindustrie und der Metallbau entwickeln sich prächtig. Mitte des 19. Jahrhunderts besitzt Braunschweig das beste Bahnnetz aller Bundesstaaten, die Firma Voigtländer produziert sowohl die erste Metallkamera wie das erste mathematisch berechnete Objektiv der Welt und die Rechenmaschinen des Unternehmens Grimme, Natalis & Co. entwickeln sich zum Exportschlager. Knapp 50 Jahre später erwacht, angestoßen durch den Autopionier Heinrich Büssing, die Mobilitätsregion. Seine Erfindungen werden die Wirtschaft zwischen Harz und Heide nachhaltig prägen.

Topografisch Günstig

Nun beginnt die Geschichte der Stadt aber weit vor der Industriealisierung, welche die Deutschen ohnehin etwas verschlafen. Anhänger der Drei-Sektoren- Hypothese würden den Ausgangspunkt für die Gründung und den frühen Aufstiegs Braunschweigs denn auch nicht im sekundären, sondern dem tertiären Sektor suchen. Die ersten Siedlungen namens Brunswick und Dankwarderode entstehen wohl an einer Furt über die Oker, die zudem flussabwärts schiffbar ist. Mehrere Fernhandelswege verlaufen außerdem im heutigen Stadtgebiet, beispielsweise die aus dem Harz kommende Salzstraße oder die „Via Regia“ von Aachen nach Magdeburg. Braunschweig liegt damit topografisch günstig, ist über die Aller und Weser außerdem an die Handelsmetropole Bremen angebunden.

London, Brügge, Riga

Heinrich der Löwe schließlich baut Braunschweig zur Residenzstadt aus, Otto der IV. verleiht der Stadt 1199 umfangreiche Zollfreiheiten. Später kommen Stadt-, Gilden- und Marktrechte sowie Bündnisverträge mit anderen Städten dazu. Mitte des 13. Jahrhunderts tritt die Löwenstadt in die Hanse ein und entwickelt sich zu einem bedeutenden Handels- und Finanzplatz des Mittelalters. Man führt vor allem die Waren der Tuchmacher und Metallhandwerker, aber auch landwirtschaftliche Erzeugnisse aus und treibt Handel mit Städten wie London, Brügge, Antwerpen, Smolensk oder Riga.

Zum Exportschlager wird in dieser Zeit auch die Mumme – ein Malzbier, das besonders lange haltbar ist. Später leidet die Stadt wie andere unter dem Ausbruch der Pest und sozialen Unruhen, die sogar in der Hinrichtung von acht Ratsherren gipfeln.

Das Ende der Hanse und der Aufschwung zur Messestadt

Es folgen ruhigere Jahre, bis der Dreißigjährige Krieg und der Zusammenbruch der Hanse die Stadt in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten bringt. Daraufhin wird sie durch Truppen des Braunschweiger Herzogs Rudolf August besetzt und ins Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel eingegliedert. Der will der Stadt wieder zu wirtschaftlicher Blüte verhelfen und lässt seit 1681 zwei Warenmessen pro Jahr veranstalten, die Braunschweig nach und nach als wichtige Messestadt neben Frankfurt und Leipzig etablieren. In den Jahren 1764 bis 1807 kommen zwischen 2.000 und 3.000 Messebesucher – für damalige Verhältnisse eine stattliche Zahl, die sogar den Bau eines Opernhauses am Hagenmarkt rechtfertigt. Denn neben dem Geschäft gewinnt die Unterhaltung des immer selbstbewussteren Bürgertums an Bedeutung.

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