Wo sich Tradition und Innovation treffen

Als Wirtschaftsstandort überzeugt der Landkreis Goslar mit zentraler Lage, Spitzentechnologien, Weltmarktführern und Tourismus-Attraktionen

Langelsheim im Landkreis Goslar ist der größte Produktionsstandort von Rockwood Lithium. Foto: Rockwood Lithium GmbH

Mit der Oberharzer Wasserwirtschaft zählt das größte und bedeutendste Teich- und Grabensystem der Welt zum UNESCOWelterbe. Dieses steht – genauso wie das Weltkulturerbe Erzbergwerk Rammelsberg – als Zeitzeuge für den Einzug von Technik und Fortschritt in der Region Goslar vor mehr als 1.000 Jahren. Kontinuierlich entwickeln Arbeiter und Forscher Techniken in verschiedensten Bereichen weiter – aus Tradition gehen immer wieder neue Spitzentechnologien hervor. So zum Beispiel bei der Technischen Universität Clausthal – sie ist mit 30 Prozent ausländischer Studenten die internationalste Universität Deutschlands und liegt im bundesweiten Vergleich regelmäßig in der Spitzengruppe für Ingenieur- und Naturwissenschaften.

Anfang 2011 hatte jeder sechste DAX-Konzern einen Alumnus oder Angehörigen der TU Clausthal im Vorstand, zwei davon als Vorsitzenden. Spitze ist auch das Energie-Forschungszentrum Niedersachsen (EFZN), das einen Sitz in der ehemaligen Rammelsberg-Kaserne hat. Beide Einrichtungen befinden sich im Landkreis Goslar. „Zukunftsweisende Innovationen entstehen aus dem Wissen der Vergangenheit“ ist das Motto eines Projekts der Region mit dem schlau gewählten Namen „Mittelerde 2.0“ – „weil wir in der Mitte von Europa liegen und seltene Erden im Hightech-Bereich einsetzen“, verdeutlicht Anja Blümel von der Wirtschaftsförderung Region Goslar. So haben sich hier einige ansässige Unternehmen zu „Hidden Champions“ entwickelt. „Sie sind Weltmarktführer in Nischen“, berichtet Blümel. Im Bereich seltener Metalle etwa sei man mit einer Jahresproduktion von 100 Gramm bereits Marktführer. „Mittelerde 2.0“ bündelt wissenschaftliche und wirtschaftliche Kompetenzen auf den Gebieten Mess- und Prüftechnik, Material- und Oberflächentechnik sowie wirtschaftsstrategische Metalle (zum Beispiel deren Rückgewinnung).

Für Letzteres steht beispielhaft der Verein „Recycling-Cluster wirtschaftsstrategische Metalle Niedersachsen“ (REWIMET). Es ist ein Zusammenschluss von rund 30 Unternehmen, wissenschaftlichen Einrichtungen und Verwaltungen und legt den Fokus sowohl auf das Recycling von Metallen als auch auf die Nutzung der aus früheren Bergbauzeiten im Harz zahlreich vorhandenen Halden. Hier schlummern noch Metalle wie Gallium, Germanium oder Indium, die erst heute in der Hochtechnologie zum Einsatz kommen. Für die Wiedergewinnung hatte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies Anfang Februar, als er Goslar besuchte, einen Förderbescheid über 4,2 Millionen Euro in der Tasche (siehe Foto Seite 12, unten). Damit soll ein Sekundärrohstoffzentrum der Harzer Recyclingwirtschaft aufgebaut wer den, das wissenschaftlich von Clausthaler Forschern begleitet wird. „Die Idee, die dahinter steckt, ist einfach und genial: Rückstände aus ehemaligen Harzer Hüttenbetrieben und alten Halden sowie Bergeteichen werden aufbereitet, seltene Metalle effizient und gewinnbringend gewonnen“, erläuterte Lies.

Teil zwei von „Mittelerde 2.0“ ist die Mess- und Prüftechnik. Im Bereich der Forschung eröffnete vor einem guten Jahr das „Batterie- und Sensoriktestzentrum“, das sich mit neuen Sicherheitskonzepten für Hochleistungsbatterien beschäftigt. Es ist ein Projekt der Technischen Universität Clausthal, dem Energie-Forschungszentrum und der Fraunhofer-Gesellschaft in Goslar. Auch viele Betriebe der Region gehören der Messtechnik-Branche an, wie die Bornemann AG, die seit 26 Jahren existiert und sich mit innovativer GPS-Fahrzeugortung beschäftigt. Oder die PSL Systemtechnik GmbH aus Osterode am Harz, die Labormessgeräte für die Erdöl- und Erdgasindustrie herstellt. Gegründet wurde PSL 1999 in Clausthal-Zellerfeld und erreichte in nur 15 Jahren die Technologieführerschaft in ihrer Branche. Heute hat PSL Kunden in über 40 Ländern auf allen fünf Kontinenten und eine Exportquote von 90 Prozent. Ein anderes wichtiges Unternehmen ist die SincoTec Group, der Weltmarktführer in Sachen Entwicklung und Anwendung von prüftechnischen Produkten. Die SincoTec Bauteil-Prüftechnik GmbH wurde vor 25 Jahren in Clausthal-Zellerfeld gegründet, heute arbeiten in der familiengeführten Firma 60 Fachleute auf 24.000 Quadratmetern.

 

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