„In der Union oder nirgends!“

Adalbert Wandt ist seit 30 Jahren Vorsitzender der „Union Kaufmännischer Verein“, welcher in diesen Tagen seinen 200. Geburtstag feiert. Mit uns sprach er über den helfenden Griff zum Hörer, die Besonderheit des Braunschweiger Klüngels und ein ganzes Leben voller Abschiede …

Adalbert Wandt. Foto: Holger Isermann

Adalbert Wandt. Foto: Holger Isermann

Herr Wandt, 200 Jahre Union. Was bedeutet Ihnen diese Zahl?

Zunächst einmal, dass es offensichtlich der älteste Kaufmannsverein in Deutschland ist und er über Generationen erhalten wurde. Ich persönlich bin unheimlich stolz, ein Teil dieser Geschichte sein zu dürfen.

Ist es damit automatisch auch die älteste Wirtschaftsvereinigung der Region?

Der Technikerverein ist 131 und der Industrieklub 100 Jahre alt. Mir fällt keine ältere Vereinigung als die Union ein, die heute noch existent ist. Wenn jemand mehr weiß, soll er sich melden (lacht).

Wie sah es in Braunschweig 1818 aus, als eine Gruppe von Kaufleuten beschloss, die Union zu gründen?

Es waren schwierige und von staatlicher Zersplitterung geprägte Zeiten und diese Menschen, die sich eine Existenz aufgebaut hatten, stellten fest, dass es keine Ausbildung oder Stände für Kaufleute gab. Der Hilfegedanke war der Ausgangspunkt und er trägt die Union noch heute.

Hat das Netzwerk die vielen Höhen und Tiefen miterlebt oder eher geprägt?

In den Anfangsjahren bis in die Zeit des Nationalsozialismus hat der Verein die Entwicklung sicher sehr stark mitgestaltet. Das zeigen allein die klingenden Namen der Mitglieder.

Wie exklusiv ging es denn zu?

Wer es damals in die Union geschafft hat, war als Kaufmann akzeptiert. Bis in die 1980er Jahre brauchte ein Neumitglied zwei Bürgen, um sich bewerben zu können. Früher durften auch nur Kaufleute Mitglied werden. Das ist heute anders. Außerdem ist das Angebot an Veranstaltungen und Netzwerken insgesamt mittlerweile deutlich vielfältiger. Wenn damals etwas stattgefunden hat, dann in der Union oder nirgends.

Ein Jedermannsverein sind sie aber noch nicht, oder?

Nein, wer Mitglied werden möchte, muss sich erst als Gast bewähren, es sei denn, jemand ist Wirtschaftsjunior oder Kind eines Mitglieds. Außerdem versuchen wir, uns auf 20 Neue pro Jahr zu beschränken, um das Wachstum beherrschen zu können.

Welche Berufsgruppen sind dabei? Sind Sie eigentlich noch im engeren Sinne ein kaufmännischer Verein?

Im engeren Sinne auf jeden Fall. Denn natürlich stehen der Steuerberater, der eine GmbH gründet, oder der Arzt mit seinen Mitarbeitern der Kaufmannschaft sehr nahe.

Sie haben spät Frauen aufgenommen …

… vor 40 Jahren …

Haben Sie sich zuviel Zeit gelassen?

160 Jahre seit der Gründung und wenn man diese Spanne betrachtet, hätte man früher die Tür aufmachen können. Andererseits, wovon sprechen wir dann? Von den 1968er Jahren. Damals stand vieles auf dem Prüfstand und die Union hat eben noch zehn Jahre länger gebraucht.

Wie sehr wird das Netzwerk heute noch von Männern dominiert?

Wir haben 76 Frauen und 394 Männer als Mitglieder, aber es gibt noch nicht mehr als diese rund 15 Prozent Frauen in Führungspositionen. Deshalb können sich junge Frauen, die etwas bewegen wollen, kaum vor Anfragen für Mitgliedschaften oder Ämter retten. Mit Nina Brose haben wir jetzt immerhin die erste Frau überhaupt im Vorstand.

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