Vielfältig und erfolgreich

Wolfenbüttels Wirtschaft im Wandel

Foto: H.-D. König/WMTS

Foto: H.-D. König/WMTS

Vor 900 Jahren wurde Wolfenbüttel erstmals urkundlich erwähnt – ein großes Festprogramm würdigte dieses Ereignis in diesem Sommer. Das Lessing-Haus, die Hauptkirche Beatae Mariae Virginis oder die weltweit renommierte Herzog-August-Bibliothek sind allesamt Zeugen der Geschichtsträchtigkeit dieser 50.000-Einwohner-Stadt im Süden Braunschweigs. Auch der Landkreis mit Städten wie Hornburg oder Schöppenstedt steht eher für historisches Flair.

Doch Wolfenbüttel steht längst auch für moderne Arbeitsplätze und innovative Unternehmen. „Nicht umsonst sagt man ja, man ist so alt, wie man sich fühlt. Und Wolfenbüttel fühlt sich auch mit 900 Jahren noch jung an“, findet Bürgermeister Thomas Pink. Er verweist auf zahlreiche Infrastruktur-Projekte, die die Stadt modern und lebenswert machen: Schwimmbad neu, Lessing-Theater saniert – und das große Bauprojekt Löwentor ist unterwegs und wird die Innenstadt deutlich aufwerten – mit neuen zeitgemäßen Einkaufsmöglichkeiten, wo die vergangenen Jahre die Hertie-Brache für gähnende Leere sorgte. „Dem Einzelhandel wollen wir mit dem Löwentor neue Impulse geben. Und nicht zuletzt hat der Bereich Kulinarik nach der Umgestaltung der Fußgängerzone im Bereich der Krambuden frischen Wind bekommen. Dieses Quartier hat sich zu einer echten Genussmeile entwickelt“, erklärt Pink, der betont, dass nicht ohne Grund für sich mit dem Slogan „Wohnzimmer der Region“ wirbt. „Auch hier haben wir in den vergangenen Jahren die Weichen gestellt und diverse Wohnprojekte an den Start gebracht – von der Ausweisung von Neubaugebieten bis zum sozialen Wohnungsbau“, so Pink. Nun hatte Wolfenbüttel lange Zeit den Ruf weg, eine reine Schlafstadt für Pendler zu sein, die anderswo ihrer Arbeit nachgehen. Dieser Ruf ist allerdings nicht gerechtfertigt. Dafür ist Wolfenbüttels Wirtschaft zu stark aufgestellt.

Internationale und nationale Grössen

Die Wirtschaft der Lessingstadt ist insbesondere von Vielfalt geprägt. „Wolfenbüttels Vorteil ist, dass die Wirtschaft breit aufgestellt ist. Die Stadt hat nicht nur einen großen Steuerzahler, sondern hat mehrere erfolgreiche Unternehmen in verschiedenen Branchen“, sagt Wolfenbüttels Bürgermeister Thomas Pink. Diese Voraussetzungen gelten auch für den Landkreis. „Im Landkreis Wolfenbüttel haben wir einen gesunden Branchenmix, aber keinen Wirtschaftszweig, der das Feld anführt“, bestätigt Landrätin Christiana Steinbrügge. Dabei stammen zahlreiche teils weltbekannte Marken aus Stadt und Landkreis. Zu den größten Arbeitgebern gehören etwa ein weltweit agierender Groß-Küchenhersteller (MKN, 500 Mitarbeiter), ein ebenfalls global bekannter Kräuterlikör-Produzent (Jägermeister, 300 Mitarbeiter) und ein Hersteller von Landwirtschaftlichen Geräten (AGCO – ehemals Welger, 275 Mitarbeiter). Telefonanlagen von Auerswald genießen immerhin bundesweit einen großen Bekanntheitsgrad. Dass die Firma aus Schandelah in der Gemeinde Cremlingen stammt, wissen wohl die meisten Nutzer nicht. Auch die Fertigung der Telekommunikationstechnik findet größtenteils dort statt. Hinzu kommt das Reisebüro Schmidt, dessen Busse bundesweit Wiedererkennungswert haben. „Wir haben schon immer auf den Mittelstand gesetzt und sind damit sehr gut gefahren. Das wollen wir natürlich beibehalten. Natürlich freuen wir uns auch, dass aus einigen dieser Unternehmen heute sogenannte „Global Player“ geworden sind, die den Namen Wolfenbüttel als Markenbotschafter in der ganzen Welt verbreiten“, freut sich Bürgermeister Pink.

MKN entwickelt und produziert seit mehr als 70 Jahren Profikochtechnik für namhafte Kunden weltweit. MKN ist einer der führenden „Premium“-Hersteller im Bereich Profikochtechnik. MKN hatte den nationalen Umsatz in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Noch dynamischer entwickelten sich die Exportaktivitäten, so dass durch eine intensive Internationalisierungsstrategie der vergangenen 15 Jahre der Exportanteil auf fast 60 Prozent ausgebaut wurde. Damit ist die Wolfenbütteler Firma ein echter Global Player. In rund hundert Ländern gibt es die Küchen aus Wolfenbüttel: beispielsweise im Burj Khalifa in Dubai mit dem höchsten Restaurant der Welt, im Opernhaus Sydney oder auf dem Kreuzfahrtschiff Queen Mary II. Die Mast-Jägermeister SE ist ebenfalls weltweit ein Begriff. Im Geschäftsjahr 2017 hat das Unternehmen mit dem Hirsch im Logo 92,4 Millionen 0,7-Liter-Flaschen der Marke Jägermeister weltweit verkauft. Damit hat der Kräuterlikör-Hersteller um eine Million im Vergleich zum Vorjahr zugelegt. Die Marke Jägermeister wird in mittlerweile 135 Ländern vermarktet. Laut eigenen Angaben ist sie die verkaufsstärkste Likörmarke  der Welt. Der Auslandsanteil am Gesamtabsatz 2017 liegt bei etwa 80 Prozent. Das Reisebüro Der Schmidt gehört zu den bekanntesten Marken der Stadt. Die Busse des Unternehmens fahren durch ganz Europa quasi als Werbung für den Wirtschaftsstandort Wolfenbüttel umher. Dabei setzen die Reise-Experten auch auf kreative Ideen.

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