Volle Kraft voraus

Seit fünf Jahren versorgen die Stadtwerke Gifhorn den Landkreis mit Energie

Das Energiebündel: Rainer Trotzek und Olaf Koschnitzki leiten seit fünf Jahren die Stadtwerke Gifhorn. Foto: Stephanie Link

Das Energiebündel: Rainer Trotzek und Olaf Koschnitzki leiten seit fünf Jahren die Stadtwerke Gifhorn. Foto: Stephanie Link

Wir stehen morgens auf, schalten das Licht an, duschen mit warmem Wasser und schalten noch schnell den Geschirrspüler ein, bevor es zur Arbeit geht. Strom, Gas und Wasser sind für uns selbstverständlich – ohne geht es nicht. Das hat auch die Stadt Gifhorn erkannt und 2013, mit der Eröffnung des Kundenbüros im Zentrum der Stadt, den Startschuss für ein eigenes Stadtwerk gegeben. Diesen Monat feiert das Unternehmen fünfjähriges Bestehen – Grund genug für eine kurze Bestandsaufnahme und einen Blick in Richtung Zukunft.

„Wir heißen zwar Stadtwerk, aber unser Geschäft betrifft den gesamten Landkreis. Wir sind Gifhorner“, verkündet Rainer Trotzek. Zum Altstadtfest vor fünf Jahren schließt er gemeinsam mit Olaf Koschnitzki die Türen zum Kundenbüro in der Torstraße auf. Ein Meilenstein – nicht nur für die beiden Geschäftsführer, erzählt er: „Unser Büro wurde regelrecht gestürmt, weil sich die Gifhorner so gefreut haben. Ein Stadtwerk wird ja nicht alle Tage gegründet.“ Die Entscheidung dazu fiel bereits im Jahr 2009, als sich die Stadt Gedanken um eine Neuvergabe der Stromkonzessionen machen musste. „Wir wollten mehr Einfluss auf dieses Geschäft haben und den Wettbewerb insgesamt über die Preise attraktiv halten“, erklärt Trotzek – Energie sei schließlich eine wichtige Infrastrukturversorgung.

Bausteine der Gesellschaft

Die Idee trägt Trotzek von Anfang an mit. Als Kämmerer der Stadt Gifhorn erkennt er damals auch die finanziellen Vorteile einer eigenen Energieversorgung: Denn die erwirtschafteten Gewinne blieben in der Stadt und damit bei den Bürgern. „Als kommunales Unternehmen ist es unser Anspruch, in die Region zu investieren“, fügt Koschnitzki hinzu. Als Sponsor und mit Spenden fördert das Unternehmen deshalb jährlich Vereine, Projekte und Einrichtungen des Landkreises. Eine Herzensangelegenheit sei das Projekt 50×500, erzählen die beiden Unternehmer. Im Rahmen dessen bezuschussen die Stadtwerke jährlich 50 regionale Vereine mit 500 Euro. Das sei auch für kleinere Vereine, die sonst keine Sponsoren fänden eine Chance, öffentlich wahrgenommen zu werden; schließlich seien auch sie ein wichtiger Baustein der Gifhorner Gesellschaft.

Kunde 007

Rund 12.000 Kunden beliefert das Stadtwerk aktuell. „Erster Kunde war damals unser Bürgermeister Matthias Nerlich – Kunde 001 sozusagen“, erinnert sich Trotzek. „Geplant war das nicht“, Koschnitzki lacht: „Intern gab es einen kleinen Wettbewerb und Herr Nerlich wollte eigentlich Kunde 007 sein. Er ist ein großer JamesBond-Fan.“ Ohne die Beteiligung des Minderheitsgesellschafters BS|Energy wäre die rasante Entwicklung des Unternehmens nicht möglich gewesen, weiß Trotzek: „Wir konnten uns von Anfang an in die Kundengewinnung stürzen, ohne einen eigenen aufwendigen Grundbau errichten zu müssen.“ Mittlerweile verzeichnet das Unternehmen einen jährlichen Umsatz von knapp zehn Millionen Euro – dieses Jahr rechne man sogar mit einer Million Euro mehr. Für die beiden Unternehmer ist das kein Grund, sich jetzt auf ihren Lorbeeren auszuruhen. Koschnitzki, der in seinem zweiten Berufsleben Bereichsleiter Innovation, Strategie und Unternehmenskommunikation bei BS Energy ist, forciert mit seiner Expertise die zukünftige Ausrichtung des Betriebs.

Vom Versorger zum Versorger

„Wir streben an, zum 1.1.2022 Netzbetreiber zu werden, längerfristig als Infrastrukturdienstleister aufzutreten und Lösungen im Wärmesegment anzubieten“, erzählt er. Ein erster Schritt in diese Richtung sei bereits erfolgt: Letztes Jahr errichteten die Stadtwerke Energie-Effizienz-Quartiere im Wohnquartier Lindenhof sowie im Wohnpark Gifhorn. Dort werden Strom und Wärme vor Ort in einem Blockheizkraftwerk produziert. Das sei umwelt- und ressourcenschonend, denn mehr als 235 Wohneinheiten könnten so, komfortabel und Co₂-ausstoßreduzierend, versorgt werden.

Smarte Zukunft

Im Wohnpark Gifhorn werde ein Teil der Energie zudem aus Geothermie gewonnen, erklärt Trotzek: „Wir wollen ja nicht nur das gesellschaftliche Leben prägen, sondern auch Leben erhalten.“ Der Energieversorger hat sich Nachhaltigkeit groß auf die Fahne geschrieben. Mit zusätzlichen Angeboten, vom E-Bike-Verleih über Photovoltaik-Beratung, Wallboxen und einer öffentlichen E-Tankstelle bis hin zur Probefahrt mit dem unternehmenseigenen Elektroauto, möchten sie die Gifhorner für mehr Nachhaltigkeit begeistern. Auch Investitionen in Smart-Home-Lösungen seien zukunftsweisend, da sie ein effizienteres Haushalten mit Strom, Gas und Wärme ermöglichten. Zudem verknüpften sie analoge Energieversorgung mit der technisierten Gegenwart. Für die Zukunft plant Koschnitzki deshalb digital: „Wir wollen der Ansprechpartner sein, wenn es um das große Thema Smart City geht.“

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